Die Geflügelwissenschaft befasst sich seit jeher mit der Entwicklung und Beurteilung von tiergerechten Haltungsformen in der Legehennenhaltung. Diese qualifizierte wissenschaftliche Arbeit soll nun auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern als Orientierung und Hilfestellung beim Eierkauf mit einem neuen Siegel sichtbar gemacht werden.
Auf dem Symposium „Zukunftsperspektiven für die Eiererzeugung“, veranstaltet am 10. Oktober - dem „Welt-Ei-Tag“ - vom Niedersächsischen Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, erläuterte Dr. Klaus-Peter Behr, Vizepräsident der Deutschen Vereinigung für Geflügelwissenschaft e.V., das Konzept dieses neuen Siegels.
„Das Siegel, das wir entwickelt haben, ist die Konsequenz jahrelanger Forschungen und wissenschaftlicher Studien auf dem Gebiet der Legehennenhaltung, deren Entwicklungen wir in Deutschland seit über 50 Jahren begleiten. Während bei anderen Prüf- und Kontrollsystemen das Produkt im Fokus steht, sehen wir das neue Zeichen unserer Organisation als eine systembezogene Auslobung von tiergerechten Haltungsformen“, so Dr. Behr.
Das Siegel steht allen Betrieben in der Freiland, Boden- oder Kleingruppenhaltung sowie der ökologischen Erzeugung zur Verfügung und ist mit allen bestehenden Eierprüfsystemen kompatibel. Ausgeschlossen ist die Verwendung des Siegels bei der herkömmlichen Käfighaltung, die nach Meinung der Geflügelwissenschaft nicht mehr den Anforderungen an ein tiergerechtes Haltungssystem genügt. „Die Zulassung von Legehennenhaltungen basiert auf einem fundierten Kriterienkatalog. Mit der unabhängigen Kontrolle und Durchführung wird die in Bezug auf Systemkennzeichnungen anerkannte OrgaInvent Entwicklungs- und Koordinationsgesellschaft mbH beauftragt“, erläuterte Dr. Behr.
Die Deutsche Vereinigung für Geflügelwissenschaft e.V. möchte mit diesem Siegel einen Beitrag zur Versachlichung der seit vielen Jahren oftmals sehr emotional geführten Diskussion zur Legehennenhaltung leisten. Maßgeblich zur Beurteilung der Haltungsformen sind belastbare wissenschaftliche Parameter. Nach Auffassung der Vereinigung ist gerade die neue Kleingruppenhaltung das Ergebnis mehrjähriger wissenschaftlicher Arbeit, wobei aber leider eben diese Haltungsform derzeit noch unberechtigt einer Pauschalkritik zur Tiergerechtheit ausgesetzt ist.
Die Konzeption des neuen Siegels beinhaltet auch den Gedanken einer fortschreitenden Weiterentwicklung der Legehennenhaltung. So werden die beteiligten Legehennenhalter verpflichtet, der Geflügelwissenschaft Daten zur Verfügung zu stellen. „Wir erwarten hieraus eine Fülle an Informationen zu gewinnen, die Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen in die Lage versetzen wird, ihre wissenschaftliche Arbeit noch zielgerichteter und effizienter im Bereich aller Haltungsformen von Legehennen zu gestalten.“, so der Wissenschaftler mit einem Blick in die Zukunft.
Die Deutsche Vereinigung für Geflügelwissenschaft e.V. ist eine Länderorganisation in der Weltvereinigung der Geflügelwissenschaft WPSA World`s Poultry Science Association, in der rund 7.000 Geflügelfachleute vereinigt sind. Die 1952 gegründete Deutsche Vereinigung für Geflügelwissenschaft e.V. repräsentiert mehr als 350 Geflügelexperten mit einem breit gefächerten Arbeitsgebiet.
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