Titel: Übergang von Farbstoffen aus Papierverpackungen auf Lebensmittel - immer wieder ein Problem Datum: 14/07/2008 Autor:Food Monitor
Von Dönertüten, Bäckertüten, Servietten und Co. können Farbstoffe auf Lebensmittel übergehen. Am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes (CVUA) Stuttgart wurden im 1. Halbjahr 2008 vor allem Gegenstände aus Papier, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, wie z.B. Döner- und Bäckertüten sowie Servietten und weitere Dekomaterialien (Ostergras, Tortenspitzen, etc.) auf einen möglichen Farbstoffübergang auf Lebensmittel getestet. Rechtlich gesehen dürfen Materialien und Gegenstände für den Lebensmittelkontakt die Farbe eines Lebensmittels nicht verändern. Es dürfen also keine Farbstoffe auf Lebensmittel übergehen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen allerdings, dass diese Vorgabe bei fast einem Viertel der untersuchten Proben nicht eingehalten wird.
Durchführung der Untersuchungen Zur Überprüfung eines möglichen Farbstoffübergangs werden sog. Ausbluttests durchgeführt. Dabei wird die Lebensmittelkontaktseite des zu prüfenden Materials für eine bestimmte Zeit mit ungefärbten Glasfaserpapierstreifen in Kontakt gebracht, die mit einer Prüfflüssigkeit getränkt sind. Diese Prüfflüssigkeiten repräsentieren unterschiedliche Lebensmittelkategorien: wässrig, sauer, alkalisch und fettig. Tabelle 1 gibt einen Überblick darüber, welche Prüfflüssigkeit für welche Lebensmittelgruppe verwendet wird und nennt Beispiel-Lebensmittel. Nach Ablauf der Kontaktzeit wird der Farbübergang auf die Glasfaserpapierstreifen geprüft. Nur wenn kein Farbstoffübergang stattgefunden hat, erfüllt das Material die rechtlichen Anforderungen.
Beim Ausbluttest verwendete Prüfflüssigkeiten
Beispiel-Lebensmittel:
Gurken, Salatblätter und Tomaten bei belegten Brötchen oder Burgern, Prüfflüssigkeit: Wasser, Lebensmittelkategorie: wässrig
Sülze, Essiggurken bei belegten Brötchen, Obst auf Kuchen, Prüfflüssigkeit: 1,5 %ige Essigsäure, Lebensmittelkategorie: sauer
Laugengebäck, Prüfflüssigkeit: 0,5 %ige Natriumcarbonatlösung, Lebensmittelkategorie: alkalisch Fettgebackenes wie z.B. Berliner, Donut, mit Käse Überbackenes, Döner, Prüfflüssigkeit: Öl, Lebensmittelkategorie: fettig
Untersuchungsergebnisse des CVUA Stuttgart Im 1. Halbjahr 2008 wurden 59 Proben wie z.B. Servietten, Dönertüten, Bäckertüten, Dekomaterial (Ostergras, Tortenspitzen, etc.) und Backförmchen auf das Ausbluten von Farbstoffen untersucht. Dabei konnte bei 22 % der untersuchten Proben ein Ausbluten von Farbstoffen festgestellt werden, d.h. bei fast einem Viertel der untersuchten Proben. Zahl der untersuchten Proben sowie Zahl der beanstandeten Proben in Klammern: Servietten 26 (2) Dönertüten 12 (6) Bäckertüten 10 (2) Dekomaterial 9 (3) Backförmchen 2 (0) Besonders auffällig waren die untersuchten Dönertüten. Hier wurde bei 50 % der Proben ein Ausbluten von Farbstoffen festgestellt. Aber auch bei den untersuchten Dekomaterialien und Bäckertüten lag der Anteil der ausblutenden Materialien mit 33 bzw. 20 % sehr hoch. Es kommt vor allem bei fettenden Lebensmittel zu einem Übergang von Farbstoffen aus dem bedruckten Gegenstand auf das Lebensmittel.
Überwachungsmaßnahmen Beanstandete Verpackungen dürfen nicht weiter als Gegenstände für den Lebensmittelkontakt in den Verkehr gebracht werden. Soweit möglich wird diese Ware komplett gesperrt, so dass sie nicht mehr in den Handel gelangen kann. Mit Hilfe von Nachproben werden die auffällig gewordenen Betriebe weiter beobachtet, bis die Ware zukünftig in Ordnung ist. Aufgrund der hohen Beanstandungsquote, insbesondere bei Materialien, die mit fettigen Lebensmittel in Kontakt kommen, wird ein weiteres Untersuchungsprogramm dieser Art durchgeführt. Grafiken: http://www.cvuas.de/pub/beitrag.asp?ID=756&subid=1&Thema_ID=3 Quelle: CVUA Stuttgart